Auf dem CSU-Parteitag in München stand CDU-Chef Friedrich Merz im Mittelpunkt und wurde von der Partei mit Wohlwollen empfangen. Obwohl Markus Söder als bayerischer Ministerpräsident und Gastgeber anwesend war, musste er die positive Aufnahme Merz' durch die CSU beobachten, was ihm sichtlich nicht leichtfiel. Merz nutzte seinen Auftritt, um die internationale und wirtschaftliche Lage düster zu zeichnen und die Rolle Deutschlands darin zu betonen. Er lobte die bayerischen CDU-Minister und kritisierte die Grünen scharf.
Die Beziehung zwischen Merz und Söder wurde als Waffenruhe beschrieben. Söder zeigte sich im Vergleich zu früheren Auseinandersetzungen zurückhaltender und würdigte Merz' internationale Bedeutung und die Notwendigkeit, die NATO zu stärken. Dennoch konnte er sich nicht ganz verkneifen, mit Untertönen auf die Stärke der CSU und die Abhängigkeit der CDU von ihr hinzuweisen, indem er die bundesweiten Umfragewerte der Union ohne die CSU thematisierte. Merz seinerseits bedankte sich für die Unterstützung und gestand Söder und der CSU zahlreiche Zugeständnisse in der Koalition zu.
Trotz der Bemühungen um eine konstruktive Zusammenarbeit stachelte Söder mit Nachsätzen weiter, indem er Merz' Erfolge als Ergebnis der CSU-Rückendeckung darstellte und die Koalition als "Turbo" bezeichnete, obwohl er nur an dem Gremium teilnahm, in dem er selbst mitwirkte. Söder selbst erzielte auf dem Parteitag sein schlechtestes Ergebnis als CSU-Chef mit 83,6 Prozent, was er teilweise auf die Rentenabstimmung zurückführte. Kritiker in der Partei warfen ihm vor, eher auf seine eigene Person als auf die Parteiseele fokussiert zu sein. Die frühere Konkurrenz um die Kanzlerschaft zwischen Söder und Merz scheint vorerst beendet, auch wenn Söder die Herausforderung in der Zusammenarbeit andeutete und von "Leichtsinnsfehlern" in der Koalition sprach, wie bei der Asylgesetzgebung.