Der ehemalige AfD-Sprecher Christian Lüth, der vor sechs Jahren wegen Äußerungen über die Ermordung von Migranten fristlos entlassen wurde, arbeitet seit etwa zwei Jahren wieder im Bundestag. Lüth gab gegenüber einem Kamerateam des Senders Pro7 an, dass man Migranten ins Land lassen und "nachher immer noch alle erschießen (…) oder vergasen" könne. Er äußerte auch: "Je schlechter es Deutschland geht, desto besser für die AfD." Lüth selbst bezeichnete seine Aussagen damals als "abscheulich und nicht entschuldbar", nimmt aber heute für sich in Anspruch, dass ihm in einem privaten Gespräch eine Falle gestellt worden sei und er seine "ironischen Aussagen von damals" sofort zurückgenommen und sich entschuldigt habe, da sie nicht seiner Gesinnung entsprächen. Nach seiner Entlassung betrieb er eigenen Angaben nach erfolgreich einen Zigarrenhandel.
Derzeit arbeitet Lüth als wissenschaftlicher Referent für mehrere AfD-Abgeordnete, darunter Jan Wenzel Schmidt und Reinhard Mixl. Mixl bestätigte, dass Lüth seit Dezember 2025 geringfügig Pressearbeit für ihn leiste und er von Lüths Expertise überzeugt sei, ohne über dessen frühere Aussagen informiert gewesen zu sein. Lüths Rückkehr stößt innerhalb der AfD-Fraktion auf Unmut bei einigen Mitgliedern, die ihn als "Skandaltyp" bezeichnen und seine Anwesenheit in den Bundestagsfluren im Auftrag der AfD missbilligen. Es wird auch darauf hingewiesen, dass in Schmidts Büro auch der Rechtsextremist Mario Müller tätig ist. Ein Fraktionsmitglied vermutet, dass Schmidt insbesondere an Lüths Pressekontakten interessiert sei, um belastendes Material leichter an Journalisten spielen zu können. Lüth, der die AfD-Bundesgeschäftsstelle mit aufgebaut hat und ein Vertrauter von Alexander Gauland war, verfügt weiterhin über zahlreiche Kontakte in und außerhalb der Partei.
Die Fraktionsspitze der AfD möchte sich zu der Personalie nicht äußern und verweist darauf, dass die Anstellung von Mitarbeitern in den Büros der Abgeordneten deren eigene Verantwortung sei, worauf die Fraktion keinen Einfluss habe. AfD-Experte Wolfgang Schröder von der Uni Kassel hält ein Eingreifen der Fraktionsspitze für notwendig, da die Beschäftigung Lüths rufschädigend für die gesamte Fraktion sei. Schröder sieht zudem einen Fachkräftemangel innerhalb der AfD, der dazu führe, dass man auf bereits bekannte Personen zurückgreifen müsse. Lüth äußert sich zuversichtlich bezüglich seiner Zukunft, auch wenn sein Arbeitgeber Jan Wenzel Schmidt aus der AfD ausgeschlossen werden sollte, da Schmidt sein Mandat behalten könne und Lüth zudem seinen Zigarrenhandel weiter betreibe.